Immobilienfotos selbst machen oder Profi beauftragen?
Ein ehrlicher Vergleich vom Fotografen: wann Handyfotos fürs Exposé reichen, wann sich ein Profi rechnet und wie Ihre eigenen Bilder deutlich besser werden.
Von Maurice Veith, Immobilienfotograf · Stand: 20. Oktober 2026
Kurz gesagt
—Für eine kleine Mietwohnung in gefragter Lage, einen Stellplatz oder eine schnelle Vorab-Anzeige reichen gute Handyfotos oft aus.
—Beim Verkauf, bei hochwertigen Objekten und bei Leerstand lohnt sich ein Fotograf fast immer: Auf dem Portal entscheiden die Bilder, ob jemand das Exposé überhaupt öffnet.
—Die größten Schwächen von Handyfotos sind verzerrte Weitwinkel, schiefe Linien und überstrahlte Fenster.
—Wer selbst fotografiert, kommt mit zehn einfachen Regeln weit. Sie stehen weiter unten.
Wann selbst fotografieren reicht
Nicht jedes Objekt braucht einen Fotografen. Selbst fotografieren reicht oft:
—bei einer kleinen Mietwohnung in einer Lage, in der sich ohnehin viele Interessenten melden
—bei Stellplätzen, Garagen und Kellerräumen
—für eine schnelle Vorab-Anzeige, bevor professionelle Bilder fertig sind
—für interne Zwecke wie Bestandsaufnahme oder Übergabeprotokoll
Hier zählt vor allem, dass die Bilder ehrlich, hell und gerade sind. Das schafft ein aktuelles Smartphone mit etwas Sorgfalt.
Wo Handyfotos an ihre Grenzen kommen
Smartphones sind für Menschen und Landschaften gebaut, nicht für Innenräume. Drei Probleme tauchen in fast jedem Exposé mit Handyfotos auf:
—Verzerrte Räume: Das Ultraweitwinkel zeigt viel, zieht aber Möbel am Bildrand in die Länge und lässt Räume größer wirken, als sie sind. Bei der Besichtigung fällt das auf.
—Schiefe Linien: Wird das Handy nur leicht nach oben oder unten geneigt, kippen Wände und Türrahmen. Das Bild wirkt unruhig, der Raum schief.
—Fenster ohne Ausblick: Innenraum und Fensterblick sind sehr unterschiedlich hell. Die HDR-Automatik gleicht das aus, oft aber mit grauen Wänden, flauen Farben oder einem unnatürlichen Fenster.
Dazu kommt Mischlicht aus Tageslicht und Lampen, das Wände gelb oder blau färbt, und wenig Licht in Fluren und Bädern, das Details verschluckt.
Was ein Fotograf anders macht
Der Unterschied liegt weniger in der Kamera als in der Arbeitsweise:
—Stativ auf gleichbleibender Höhe, die Kamera exakt gerade ausgerichtet
—Belichtungsreihen und Blitz, damit Raum und Fensterblick beide stimmen
—Perspektiven, die den Grundriss verständlich machen, statt jeden Winkel zu zeigen
—Nachbearbeitung von Perspektive, Weißabgleich und Helligkeit, aber keine Retusche, die etwas beschönigt
—Eine Auswahl: für eine 3-Zimmer-Wohnung in der Regel 15–25 fertige Bilder statt 80 ähnlicher Fotos
Innenraum und Ausblick zugleich richtig belichtet, aus einem Auftrag am Stuttgarter Killesberg. An genau dieser Situation scheitern Handyfotos am häufigsten.
Gerade Linien, ruhiges Licht: Treppe einer Maisonette in Ostfildern, vom Stativ mit Belichtungsreihe aufgenommen.
Was ein Fotograf kostet und was er bringt
Bei mir beginnt das Basispaket bei 249 € netto für Innenaufnahmen einer Wohneinheit bis vier Zimmer, inklusive Bildbearbeitung und Nutzungsrechten. Außenaufnahmen kosten 80 € extra, Drohnenaufnahmen ab 99 €.
Bei einem Kaufpreis von 400.000 € entspricht das Basispaket weniger als einem Promille. Dem steht gegenüber, dass auf den Portalen zuerst das Titelbild entscheidet, ob ein Exposé überhaupt geöffnet wird. Für Makler kommt etwas hinzu: Die Bilder zeigen auch, wie sorgfältig sie arbeiten, und genau darauf achten Eigentümer, die einen Makler suchen.
Die genaue Summe für Ihr Objekt, inklusive Anfahrt, zeigt der Preisrechner.
Zehn Regeln, wenn Sie selbst fotografieren
—Querformat, immer. Portale und Exposés sind darauf ausgelegt.
—Das Handy auf Brusthöhe halten und exakt gerade, nicht nach oben oder unten neigen. Die Gitterlinien der Kamera-App helfen dabei.
—Mit dem normalen Objektiv (1×) fotografieren, nicht mit 0,5×. Lieber einen Schritt zurück in die Tür oder die Raumecke.
—Alle Lampen an, alle Rollläden hoch, Vorhänge auf.
—Nicht gegen die direkte Sonne fotografieren. Bei Südfenstern ist ein bewölkter Tag oft besser.
—Im Bad: Toilettendeckel zu, Handtücher und Kosmetik weg, Spiegel putzen und sich selbst nicht darin zeigen.
—Außenaufnahmen mit der Sonne im Rücken, Autos und Mülltonnen aus dem Bild.
—Keine Filter. Nur gerade richten und, wenn nötig, etwas aufhellen.
Mein Fazit
Für eine einfache Vermietung kommen Sie mit sorgfältigen Handyfotos oft aus. Sobald es um einen Verkauf geht, um ein hochwertiges Objekt oder um einen Leerstand, der sich schon länger hinzieht, sind professionelle Bilder eine der günstigsten Stellschrauben der ganzen Vermarktung.
Wenn Sie unsicher sind, ob sich ein Termin für Ihr Objekt lohnt, fragen Sie gern nach.
Häufige Fragen
FAQ — Fotos selbst machen
Reichen Handyfotos für ein Immobilienexposé?
Für eine kleine Mietwohnung in gefragter Lage oft ja, wenn die Bilder hell, gerade und aufgeräumt sind. Beim Verkauf und bei hochwertigen Objekten stoßen Handyfotos schnell an Grenzen: verzerrte Weitwinkel, schiefe Linien und überstrahlte Fenster.
Was kostet ein Immobilienfotograf?
Das Basispaket kostet bei mir 249 € netto für Innenaufnahmen einer Wohneinheit bis vier Zimmer, mit Bildbearbeitung und Nutzungsrechten. Außenaufnahmen kosten 80 € extra, Drohnenaufnahmen ab 99 €.
Wie viele Fotos braucht ein Exposé?
Für eine 3-Zimmer-Wohnung in der Regel 15–25 Bilder, für ein Haus mit Garten und Drohnenaufnahmen 30–50. Wichtiger als die Menge ist, dass jeder Raum aus einer verständlichen Perspektive zu sehen ist.
Welche Tageszeit ist für Immobilienfotos am besten?
Für Innenaufnahmen ist die Tageszeit zweitrangig, wenn mit Blitz und Belichtungsreihen gearbeitet wird. Für Außen- und Drohnenaufnahmen sind der späte Vormittag oder der frühe Abend besser als die Mittagssonne.